Qigong und Yoga: Unterschiedliche Aspekte von Bewegung

Qigong und Yoga sind beides Bewegungsformen, die aus dem fernen Osten kommen.

Einiges haben sie gemeinsam, einiges trennt sie aber auch.

Qigong fließt, ist weich und sanft. Yoga ist streng, fließend, kann sehr fordernd sein.

Im Qigong ist man recht frei in der Ausführung der Bewegungen. Es ist wichtig, die Knie nicht zu drehen und das Becken aufrecht zu halten, ansonst geht es das Beobachten des Selbst im Tun.

Im Yoga ist die richtige Ausrichtung das A und O. Wo sind die Schultern, wie steht das Becken? Selbst nach Jahren kann man noch an Details arbeiten.

Qigong hat den Fokus auf dem Flow, Yoga hat den Fokus auf den Asanas.

Im Qigong geht es immer wieder um den fließenden Übergang. Es gibt kein Verharren in einer Position, alles ist ständig im Fluss.

Yoga hingegen sucht das Verweilen in einer Position. Dort wird die Präzision in der Ausführung gesucht.

Qigong bleibt unter der Dehnungsgrenze, Yoga geht an die Dehnungsgrenze.

Im Qigong findet man keine nenneswerte Dehnung. Hier wird das Gewebe (Meridiane, Faszien, Muskeln, Gelenke) sanft mobilisiert und gedehnt. Das erhöht die Beweglichkeit.

Im Yoga hingegen ist das Langziehen und Dehnen ein ganz zentraler Aspekt. Hierdurch soll unter anderem der Bewegungsradius erweitert werden. Außerdem ist starkes Dehnen eine intensive Erfahrung.

Leistungsanspruch ist dem Qigong fremd, dem Yoga nicht.

Im Qigong fühlt man sich so ein bisschen wie ein tanzender Teddybär: Sehr geerdet und langsam. Alles ist recht gemütlich. Sollen die anderen sich verrückt machen…

Im Yoga hingegen kann es ganz schön heftig zugehen. Zumindest in der Art und Weise, wie es in modernen Studios praktiziert wird. Es kann durchaus passieren, dass der Schweiß fließt und die Musklen zittern und somit ein Grenzbereich betreten wird.

Im Qigong wird der Atem beobachtet, im Yoga aktiv gelenkt.

Erleben statt Erlernen- das ist die Devise im Qigong. Deshalb wird der Atem lediglich beobachtet, während man ihn in den entspannten Bauch hineinfließen lässt.

Im Yoga gibt es verschiedene Atemtechnicken, die eine Wissenschaft für sich sind. Der Atem wird (häufig) geführt. Das Problem aus meiner Sicht ist dabei, dass die Teilnehmenden die Techniken zur Lenkung erlernen, ohne überhaupt jemals einen freien Atem erfahren zu haben.

Das waren einige Bemerkungen zu Qigong und Yoga. Der nächste Beitrag beschäftigt sich dann mit der Rolle der Faszien im Yin Yoga. Bis bald!